Einstreugranulat
Wesentlich für die Qualität eines Kunstrasensystems sind nicht allein das Garn und seine Verarbeitung, sondern auch die losen Bestandteile.
Einen erheblichen Anteil seiner Stabilität und sportfunktionellen Eigenschaften erhält ein verfülltes Kunstrasensystem über die Beschaffenheit und Verarbeitung des Filaments hinaus durch den Quarzsand und das Granulat. Während der Sand als untere Schicht in erster Linie den Fasern festen Halt verleiht, ist das Granulat mit einem größeren Anteil an der Steuerung der Spieleigenschaften und Belastbarkeit beteiligt. Quarzsand wird aus natürlichen Vorkommen im Tagebau gewonnen und in unterschiedlichsten Bereichen verwendet, so unter anderem in der Glasindustrie und in der Bauwirtschaft. Im Garten- und Landschafts- sowie im Sportplatzbau spielt er ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist dabei zwischen mehreren Arten des Quarzsandes zu unterscheiden; als Füllmaterial für ein Kunstrasensystem muss unbedingt ein Produkt gewählt werden, dessen Körner keine scharfen Kanten aufweisen, die die Kunstrasenfasern beschädigen würden. Ebenfalls von Bedeutung ist eine hohe Reinheit dahingehend, dass über den Quarzsand keine Pflanzensamen in den Kunstrasen eingetragen werden. Der Sand wird im Allgemeinen nicht vom Kunstrasenhersteller mitgeliefert, sondern vom Einbaubetrieb über regionale Händler bezogen. Beim Rückbau alter Kunstrasenflächen kann die Sandverfüllung durch einen Entsorgungsbetrieb vom Kunststoff getrennt und anschließend weiter verwendet werden, wodurch sich sowohl die Entsorgungs- als auch die Neubau-Kosten reduzieren lassen. Noch näher am Sportler als der Sand ist die Granulatverfüllung. Sie sorgt (bei einem Aufbau nach DIN in Kombination mit der Elastikschicht) für die Dämpfung und trägt maßgeblich zu weiteren Eigenschaften des Systems wie dem Ballsprung- und Ballrollverhalten bei und zu dem geringen Verletzungsrisiko, das moderne Kunstrasensysteme bieten. Je mehr ein Hersteller die Eigenschaften eines Systems ausdifferenziert, desto feiner sind auch die Eigenschaften des Granulats auf dasGesamtprodukt abgestimmt. Hierbei kommen nicht allein die sportfunktionellen Eigenschaften zum Tragen, sondern auch solche, mit denen der Kunstrasen seiner Umgebung begegnet. Dies sind zum Beispiel die UV- und Wetterbeständigkeit, der Flammschutz und nicht zuletzt die Eignung für sensible Umweltbedingungen – über den Abrieb und damit Staub, das Verschleppen des Granulats oder über die Eluation mit Wasser können Granulate und deren Inhaltstoffe in die Umwelt gelangen. Darüber hinaus lässt sich die Optik eines Sportplatzes über die Farbgebung des Granulats mit steuern, und sie beeinflusst auch, wie sehr sich der Platz bei Sonneneinstrahlung aufheizt. Ein System lässt sich nicht allein anhand der Materialeigenschaften des Granulats einstellen, sondern auch mittels der Kornform, beziehungsweise der Schüttdichte. Diese fällt je nach Granulatform unterschiedlich aus; so erreichen bei gleicher Menge runde Körner eine geringere Höhe als eckige. Die Füllhöhe ist somit der aussagekräftigere Faktor als das Gewicht pro Quadratmeter. Im Laufe der Jahre und mit wachsender Bedeutung des Kunstrasens hat die Industrie ihre Entwicklungsarbeit im Granulat-Bereich intensiviert. Während zunächst hauptsächlich das SBR-Recycling- Material beachtet wurde (wohl deshalb, weil es einen festen Platz im Katalog der Vorbehalte gegen den Kunstrasen hatte), stehen mittlerweile unterschiedliche Produktarten zur Verfügung, die sich in vier Hauptkategorien unterteilen lassen. Der Fachmann erkennt die Unterschiede beim ersten Blick auf das Material, der Laie erkennt ihn zunächst am Preis.
SBR
Das SBR-Granulat ist in sofern ein Sonderfall im gesamten Bereich der Sportstätten- Ausstattung, als man ihm als Billigprodukt dennoch sehr gute oder sogar die besten funktionellen Eigenschaften, insbesondere eine hohe Elastizität, bescheinigt. Die schwarze Einfärbung gewährleistet eine überzeugende UV- und Wetterbeständigkeit. Da es sich um ein Rezyklat handelt (hauptsächlich aus KFZ und LKW Reifen), sind Qualitätsschwankungen allerdings nicht ausszuschließen. Diese werden jedoch bei deutschen Herstellern wie z.B.: Genan, wöchentlich nach hohen Standarts geprüft und Regelüberwacht. Der Preis von SBR ist deutlich günstiger als beim TPE, das sich am anderen Ende der Skala einsortiert. Um das bestmögliche Ballverhalten zu erreichen, darf die Gummigranulatfüllung weder zu fein noch zu grob sein.Ist die Füllung zu fein, so liegt sie zu dicht, und der Kunstrasen ist nicht elastisch genug. Ist sie zu grob, nimmt sie dem Ball zu viel Energie, was zu schwachem Abprallverhalten führt. Bei manchen Bedenken sei dennoch erwähnt, dass das SBR-Einfüllmaterial durchaus eine gute und kostengünstige Lösung sein kann, wenn es aus einer dokumentierten und zertifizierten Produktion mit entsprechenden Nachweisen stammt. Gummimischungen für die Produktion neuer Reifen enthalten einen hohen Anteil von Kautschuk in der Größenordnung von 40 bis 50%. Alternativen auf dem Markt für Einstreugranulate (EPDM- und TPE-Gummi) enthalten nur ungefähr 13 bis 21% Kautschuk, und weisen daher nicht diese gleichwertige Elastizität.
PUR-umhülltes SBR
Diese Variante des SBR ist mit einer Polyurethan-Schicht ummantelt, die in erster Linie der Einfärbung des ansonsten schwarzen Recycling-Granulats dient. Zwar wird PUR bei der Herstellung und Verlegung von Sportböden für die hoch abriebfeste Versiegelung verwendet, doch kommt diese Eigenschaft beim Granulat nur bedingt zum Tragen. Die Beschichtung ist hier nicht dauerhaft abrasionsresistent, sodass mit der Zeit eine Verfärbung eintreten kann. Das umhüllte SBR-Material empfiehlt sich daher weniger für Sportplätze mit intensiver Nutzung.
EPDM
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer-Kautschuk) ist traditionell ein Bestandteil vieler Sportboden-Systeme – in den Elastikschichten von Hallenböden und als Bestandteil von Kunststofflaufbahnen. Eine gute Elastizität, gepaart mit besonderer Resistenz gegen widrige Wetterbedigungen und chemische Einwirkungen gehören hier zu den wesentlichen Merkmalen. Diese sind in besonderem Maße auch bei der Verwendung als Einstreugranulat gefragt; zusätzlich kann das EPDM bei sehr guten ökologischen Werten durch die Beimischung entsprechender Zusätze auf verschiedene Einsatzgebiete und deren Anforderungen eingestellt werden. So ist jede Farbeinstellung möglich und/oder die Steuerung des Flammschutzes. Der Preis iegt in der Mittelklasse.
TPE
TPE-Granulate sind Thermoplastische Elastomere – man mag sie als „Alleskönner“ bezeichnen, da mehrere Materialeigenschaften im Produktionsprozess einstellbar sind. Während es verschiedene TPE-Materialien für den Einsatz bei technischen Produkten gibt, wird als Einstreugranulat aufgrund des optimalen Preis-Leistungsverhältnisses momentan nur TPE-S verwendet. Verschiedene Typen von TPE-Granulaten können auf den Verwendungszweck, insbesondere hinsichtlich der Elastizität und des Alterungsverhaltens, zugeschnitten werden. Sind Flammschutz-Komponenten gewünscht, können diese ebenso hinzugefügt werden wie Farbpigmente. Auch aus der Perspektive des Umweltschutzes schneidet TPE gut ab. Freilich haben diese Möglichkeiten ihren Preis, TPE ist der teuerste Granulat-Typus.
Quelle: Stadionwelt

