Genormte Vielfalt
Die Vielfalt an Kunstrasenprodukten ist heute schon enorm – und weiterhin präsentieren die vielen Hersteller fortwährend Innovationen sowie Verbesserungen im Detail, die den Unterbau, die Verfüllung, das Filament oder die Konstruktion betreffen können. Für den Interessenten, der vor der Aufgabe steht, die richtige Auswahl für seinen Sportplatz zu treffen, sortiert sich der Markt jedoch, sobald geklärt ist, auf welchen Bedarf man mit dem Kunstrasen reagieren will. Faktoren sind hier die erwartete Auslastung (mindestens 800 Stunden pro Jahr dürften zugrunde liegen, wenn die Entscheidung für den Kunstrasen gefallen ist), die Sportarten, für die der Platz geeignet sein soll, und auf welchem Wettkampf- oder Trainingsniveau diese stattfinden sollen. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung inkludiert dann freilich noch den Pflegebedarf, den die jeweilige Fläche mit sich bringt.
Die Sortierung erfolgt üblicherweise nach drei Kunstrasen-Generationen. Die erste, also die von Plätzen der Art, wie sie seit den frühen 70er Jahren bekannt sind, kommt heute praktisch nur noch beim Hockey zum Einsatz. Hier ist die Polschicht (also die oberste, aus Kunststoff-Fasern bestehende Schicht) noch sehr dünn, liegt auf einer ebenfalls dünnen Elastikschicht und einer gebundenen Tragschicht.
Die zweite Generation, entwickelt in den 80er und 90er Jahren, bietet eine mit zwischen 25 mm und 35 mm immer noch recht kurze Polschicht, die hoch mit Quarzsand verfüllt ist. Im Unterbau befinden sich eine elastische Schicht und die ungebundene Tragschicht. Diese Version ist mit geringer Polhöhe zum Beispiel gut für Tennis geeignet, aber auch im Fußball und in der Mehrzwecknutzung einsetzbar.
Wenn heute von einem optimal für den Fußball geeigneten Kunststoffrasen die Rede ist, geht es in der Regel um solchen der dritten Generation, die in etwa seit dem Jahr 2000 verfügbar ist. Die neuesten Entwicklungen werden bereits der 4. Generation zugerechnet. Die Polhöhe beträgt 35 mm bis 60 mm, das Produkt ist dann mit Gummigranulat und Quarzsand teilverfüllt oder hochverfüllt.
Der unverfüllte Kunstrasen, eine Machart, bei der die speziell miteinander verknüpften Fasern sich gegenseitig stützen, hat ihre Stärken vor allem im geringen Pflegeaufwand und der Tauglichkeit unter allen Wetterbedingungen. Es muss kein Granulat aufgefüllt oder egalisiert werden, es kann auch nicht durch Regen abgespült oder beim Schneeräumen abgetragen werden. In Deutschland hat sich der unverfüllte Kunstrasen noch nicht in der Breite durchgesetzt. In Japan und zum Beispiel der Schweiz ist die Verbreitung deutlich größer. Es sind verschiedene Qualitäten auf dem Markt, die sich für verschiedene Sportarten eignen – bis zu Produkten, die im Profi-Bereich zum Einsatz kommen.
Eine systematische Kategorisierung, die alle wichtigen Merkmale der jeweiligen Typen berücksichtigt, erfolgt gemäß DIN V 18035-7:2006-06 (Achtung!!! Die bisher gültige Norm DIN V 18035-7:2002-06 ist zurückgezogen worden. Grund dafür ist eine vollständige Überarbeitung. Vorläufig gilt die Vornorm SPEC 18035-7 für Kunststoffrasenflächen im Freien mit gefüllter oder ungefüllter Polschicht. Eine Kunststoffrasenfläche sollte die Nutzung für eine Vielzahl von Sportspielen ermöglichen z.B. Fußball, Hockey, American Football und Tennis für Training und Wettkampf, aber auch Schulsport und Sportspiele anderer Art). Sie berücksichtigt die Konstruktionsweise (Arten der Füllung), die Faserart (Monofilament oder fibrillierte Bändchen), die Faserstruktur (verschiedene Varianten von gerade bis texturiert und gekräuselt), die Polhöhe, die Poldichte und Noppenanzahl (die Fasern werden in so genannten Noppen verknüpft), die Füllhöhe in Prozent, die Eignung für diverse Sportarten, die Strapazierfähigkeit sowie den Pflegeaufwand. Laut dieser Tabelle (A1) wird derzeit zwischen neun Belagstypen (A – J) unterschieden, die anhand von 15 Kriterien sortiert beziehungsweise bewertet werden. Die jeweilige Empfehlung für bestimmte Sportarten und Einsatzgebiete ergibt sich aus Eigenschaften des Belags inklusive seines jeweiligen Unterbaus. Gemessen werden das Ballrollverhalten, die Ebenheit, der Kraftabbau, das Gleitreibungsverhalten, der Verschleiß, die Alterung, das Brennverhalten und die Wasserdurchlässigkeit.
Neben der Höhe und der Dichte des Materials gehört auch seine Beschaffenheit zu den Eigenschaften, die zuvorderst wahrgenommen werden – in der Anmutung, bei den Spieleigenschaften und auch der Pflege. So bestehen die hochwertigsten Kunststoffrasen-Fußballfelder vorwiegend aus monofilen Fasern. Es handelt sich um einzelne Fasern, die verzwirnt werden und damit eine hohe Flexibilität und Stabilität gewährleisten. Auf diese Weise werden auch Eigenschaften erreicht, die dem des Naturrasen am nächsten kommen. Das Halmbild muss in diesem Sinne nicht homogen sein. Die Verbindung unterschiedlicher Halmstärken trägt, wie auch in der Natur, zur Stabilität bei. Fibrillierte Fasern hingegen bestehen aus breiteren Folienabschnitten, die eingeschnitten werden. Dieses Herstellungsverfahren bedingt im Betrieb jedoch eine höhere Verschleiß-Anfälligkeit. Einige Produkte kombinieren beide Fasersorten.
Glatte Fasern ähneln ihrem natürlichen Vorbild am ehesten, während die gekräuselten Produkte einen etwas geringeren Pflegeaufwand erfordern. Neben dem Kunststoffmaterial, heutzutage vorwiegend Polyethylen (PE) an sich, wirkt sich auch das Querschnittsprofil der Halme auf seine Eigenschaften als Kunststoffrasen aus.
Quelle: Stadionwelt

